OberlandKlima.at: Digitaler Blick auf den Klimawandel im Tiroler Oberland

Mit dem neuen Onlineportal OberlandKlima.at stehen der Bevölkerung, Gemeinden und Unternehmen in den Bezirken Imst und Landeck erstmals detaillierte Klimadaten auf Gemeindeebene kostenlos zur Verfügung. Das Portal macht klimatische Entwicklungen seit 1961 ebenso sichtbar wie zukünftige Szenarien bis zum Jahr 2100 und schafft damit eine fundierte Grundlage für Information, Bewusstseinsbildung und lokale Anpassungsmaßnahmen. Entwickelt wurde das Projekt unter der Leitung des Meteorologen und Geographen Thomas Pichler und finanziert vom Rotary Club Imst Landeck.


Im Rahmen einer Pressekonferenz am 2. April in der Stadtbühne Imst wurde das neue digitale Informationsangebot OberlandKlima.at offiziell präsentiert. Das Portal stellt erstmals klimatische Entwicklungen im Tiroler Oberland kostenlos, transparent, nachvollziehbar und verständlich bis auf die Gemeindeebene dar. Für insgesamt 75 Orte in den Bezirken Imst und Landeck sind sowohl historische Klimadaten seit 1961 als auch Zukunftsszenarien bis zum Jahr 2100 abrufbar. Die regionalen Informationen umfassen unter anderem Temperaturentwicklungen, Hitzetage, Niederschlag und Schneefall. Besonders hervorzuheben ist die hohe räumliche Auflösung, die es ermöglicht, die Auswirkungen des Klimawandels bis auf die kleinste Verwaltungsebene darzustellen.

Wissenschaftlich fundiert und laufend aktualisiert

Das Projekt wurde unter der Leitung des Meteorologen und Geographen Thomas Pichler aus Pians entwickelt und vom Rotary Club Imst Landeck finanziert. Für die technische Umsetzung zeichnet das Büro Maisengasse in Landeck verantwortlich, unter der Leitung von Geschäftsführer Armin Wolf und gemeinsam mit Mathias Rudig. Das Onlineportal richtet sich gleichermaßen an die Bevölkerung, Gemeinden und Unternehmen und bietet einen kostenlosen Zugang zu fundierten lokalen Klimadaten.

Die bereitgestellten Informationen können in verschiedenen Bereichen als wertvolle Grundlage für zukünftige Anpassungsmaßnahmen dienen – etwa in der Raumplanung, bei Infrastrukturprojekten, in der Wasserwirtschaft oder im Bildungsbereich. Konkrete Anwendungsmöglichkeiten sollen sich mit zunehmender Nutzung des Portals schrittweise entwickeln.

OberlandKlima.at basiert auf anerkannten Datensätzen der GeoSphere Austria. Zum Einsatz kommen unter anderem SPARTACUS v2.1 (Monatsdaten zu Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer seit 1961), SNOWGRID Klima v2.1 (Monatsdaten zur Schneedecke seit 1961) sowie die Österreichischen Klimaszenarien ÖKS‑15 bis zum Jahr 2100. „Die Grundlage bilden mehr als zehn Millionen Datensätze, die laufend aktualisiert werden. Dadurch können Nutzer:innen auch aktuelle Extremwetterereignisse besser in einen klimatologischen Zusammenhang einordnen“, erklärt Armin Wolf. Technisch wäre zudem eine Ausweitung des Portals auf ganz Tirol möglich.

Klimawissen verständlich aufbereitet

Für Initiator Thomas Pichler zeigen die vorliegenden Daten deutlich, dass sich der Klimawandel im Tiroler Oberland zwei- bis zweieinhalb Mal stärker auswirkt als im globalen Durchschnitt. „Vor allem Polar‑ und Bergregionen erwärmen sich überdurchschnittlich stark. Schnee und Eis hatten bislang eine kühlende Wirkung, die mit ihrem Abschmelzen zunehmend verloren geht. In meiner Kindheit galten Sommertage mit 30 bis 33 Grad als extrem, heute liegen wir bei 38 Grad – und es geht weiter Richtung 40 Grad. Die Entwicklung eilt den Prognosen bereits voraus“, erläutert der Meteorologe.

Umso wichtiger seien fundierte Fakten und leicht zugängliche Daten. Mit der neuen Plattform soll einerseits das Bewusstsein für den lokalen Klimawandel direkt vor der eigenen Haustür geschärft und andererseits die Anpassung an die veränderten Bedingungen unterstützt werden. „Gerade in den Alpen macht sich der Klimawandel besonders stark bemerkbar. Deshalb müssen wir jetzt rasch mit Anpassungsmaßnahmen beginnen. Ohne solche Anpassungen hätten die Menschen in den Alpen bereits in den vergangenen Jahrhunderten nicht überleben können“, betont Pichler.

Kostenloses Service für die Region

Neben dem ehrenamtlichen Engagement von Thomas Pichler übernahm der Rotary Club Imst Landeck die Finanzierung des Projekts. Präsident Hans Georg Kreuzer sieht darin einen wichtigen kostenlosen Service für die Region. „Wir unterstützen gerne verantwortungsvolle Tätigkeiten zum Wohle der Allgemeinheit und stellen uns großen Herausforderungen. Dabei geben wir keine Ratschläge oder Empfehlungen, sondern stellen Wissen und Daten zur Verfügung, die Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Politik und Gesellschaft müssen daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, so Kreuzer.

Auch Roman Markowski, Vorstandsmitglied des Rotary Club Imst Landeck und geschäftsführender Gesellschafter der AVT Vermessung GmbH, sieht einen großen praktischen Nutzen in dem Onlineportal. „Wir arbeiten täglich mit Planungsgrundlagen für Bauvorhaben – vom Talboden bis in den hochalpinen Raum. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung zeigen sich je nach Standort sehr unterschiedlich. Je genauer man diese Verhältnisse erfassen kann, desto besser wird die Planung“, betont Markowski. OberlandKlima.at schließe hier eine wichtige Lücke: „Das Portal liefert keine abstrakten Modelle, sondern ein praxisnahes Werkzeug – etwa für Standortentscheidungen, Infrastrukturprojekte oder Risikobewertungen.“

Grundlage für Entscheidungen vor Ort

Großes Lob für die Non‑Profit‑Initiative und die finanzielle Unterstützung kam auch von Landesrat René Zumtobel. „Thomas Pichler brennt für dieses Projekt. Das Portal bringt den Klimawandel genau dorthin, wo Entscheidungen getroffen werden – nämlich in die Gemeinderäte. Jede und jeder kann nun nachvollziehen, wie sich das regionale Klima entwickelt“, so Zumtobel.

Auch auf Landesebene werden Klimainformationen systematisch aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Seit dem vergangenen Jahr sind etwa die Ergebnisse der regionalen Klimaanalyse – unter anderem zur Hitzeentwicklung oder zu Kaltluftleitbahnen – über TIRIS online abrufbar. OberlandKlima.at baut auf diesen landesweiten Grundlagen auf und ergänzt sie um detaillierte Klimadaten auf Gemeindeebene. Dadurch werden klimatische Unterschiede innerhalb des Tiroler Oberlands sichtbar und für lokale Entscheidungen direkt nutzbar.

Abschließend richtete der Umweltlandesrat eine klare Botschaft an Klimawandelskeptiker: „Schaut einfach hinein – die Kurven zeigen deutlich, wohin die Entwicklung geht.“ Ähnlich beurteilt dies auch Thomas Pichler. In Diskussionen könne künftig konkret auf die Daten verwiesen werden. „Es ist lächerlich, bei unangenehmen Tatsachen die Wissenschaft grundsätzlich infrage zu stellen.“

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