Mit der feierlichen Segnung der Kapelle im revitalisierten Klösterle wurde die Erweiterung des Pflegezentrums Gurgltal offiziell abgeschlossen. Nach mehreren Jahren intensiver Planung, anspruchsvoller Verhandlungen und der baulichen Umsetzung präsentierte der Gemeindeverband gemeinsam mit zahlreichen Ehrengästen ein Projekt, das die strukturelle Weiterentwicklung des Pflege- und Betreuungsangebotes in der Region nachhaltig absichert. Über 18 Millionen Euro wurden in die Erweiterung investiert.
Mit einer festlichen Segnungsfeier in der Kapelle des revitalisierten Klösterles wurde am 13. März die Erweiterung des Pflegezentrums Gurgltal feierlich abgeschlossen. Vertreter:innen des Gemeindeverbandes, zahlreiche Ehrengäste und viele am Projekt Beteiligte würdigten damit die erfolgreiche Umsetzung eines Bauvorhabens, das die Betreuung und Pflege älterer Menschen in der Stadt Imst und in der Region nachhaltig stärkt.
Das Pflegezentrum Gurgltal in der Pfarrgasse wurde 2010 eröffnet. Bereits damals war eine zweite Baustufe angedacht, deren Realisierung jedoch erst nach rund 14 Jahren abgeschlossen werden konnte. Die Verhandlungen mit dem Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Innsbruck gestalteten sich anspruchsvoll und dauerten mehrere Jahre. Zwischenzeitlich wurden verschiedene Alternativen geprüft. Schlussendlich konnte eine Einigung erzielt werden. Die Heimerweiterung basiert nun auf einem 70‑jährigen Baurecht.
Die neuen Bereiche im Erweiterungsbau sowie im Klösterle wurden bereits Anfang 2024 in Betrieb genommen. Die Bauarbeiten nach den Plänen von Architektin Barbara Poberschnigg (Studio Lois, Innsbruck) begannen im Juni 2021. Im Jahr 2022 entstand der Hauptbau, 2023 folgte der Innenausbau. Ein Großteil der Arbeiten wurde an regionale Unternehmen vergeben.
Das denkmalgeschützte Klösterle wurde in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt innen wie außen umfassend generalsaniert. Heute beherbergt es betreute Wohnungen sowie drei Bewohner:innen-Zimmer. Zudem wurde modernste Gebäudetechnik integriert und das Gebäude vollständig barrierefrei gestaltet. Damit erhielt dieser geschichtlich wertvolle Bau eine neue, sinnvolle und zeitgemäße Nutzung.
Der moderne Neubau, der das Bestandsgebäude mit dem Klösterle verbindet, umfasst eine erweiterte Tiefgarage, die neue Tagespflege mit zwölf Plätzen sowie zwei stationäre Hausgemeinschaften mit insgesamt 29 Betten. Insgesamt stehen nun 83 Betten zur Verfügung, davon 54 im Bestandsbau. Ergänzt wird das Angebot durch 20 betreute Wohnungen für ältere und pflegebedürftige Menschen aus den Verbandsgemeinden.
Die Gesamtkosten des Erweiterungsprojekts belaufen sich auf über 18 Millionen Euro. Der Gemeindeverband Pflegezentrum Gurgltal trägt die Finanzierung, unterstützt vom Land Tirol. Am Gemeindeverband sind die Stadt Imst mit 42,87 Prozent sowie die Gemeinde Tarrenz mit 28,57 Prozent beteiligt. Jeweils 7,4 Prozent entfallen auf die Umlandgemeinden Imsterberg, Karres, Karrösten und Mils bei Imst.
Zur offiziellen Eröffnung konnten Hausleiterin Andrea Jäger, Pflegedienstleiter Harald Thurner und Gemeindeverbandsobmann Bürgermeister Stefan Rueland (Tarrenz) zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Unter ihnen befanden sich LH Anton Mattle, BH Eva Loidhold sowie die Verbandbürgermeister Stefan Weirather (Imst), Bernhard Schöpf (Mils bei Imst), Richard Bartl (Imsterberg) und Daniel Raffl (Karrösten). Vom Gründungsverband nahmen Willi Schatz, Gebhard Moser, Alois Thurner, Gerhard Reheis und Gebi Mantl teil. Ebenfalls anwesend waren Generaloberin Sr. Pauline Thorer (Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Innsbruck), Geschäftsführer Andreas Partl (Barmherzige Schwestern Innsbruck Holding GmbH), HR Max Holzhammer, Architektin Barbara Poberschnigg sowie Alt-LH Herwig van Staa und Andreas Matzinger (Landesgedächtnisstiftung Tirol).
Die Segnung der renovierten Kapelle im Klösterle nahm Dekan Franz Angermayer vor. Für die passende musikalische Umrahmung sorgte eine Bläserabordnung der Stadtmusik Imst.
Hausleiterin und Stadträtin Andrea Jäger blickte in ihrer Ansprache auf die vielen Jahre der Planung und Umsetzung zurück. Als junges Mädchen absolvierte sie ein Ferialpraktikum im Klösterle und entwickelte dort ihre Leidenschaft für die Betreuung und Pflege von Menschen. Schon damals erkannte sie das Potenzial dieses Standorts für ein zukunftsfähiges Projekt, um dort betagte Mitmenschen betreuen zu können.
„Dass ich dafür ein ganzes Arbeitsleben Zeit gehabt habe, hätte ich mir nie gedacht. Natürlich habe ich das Ganze nicht allein umgesetzt, sondern gemeinsam mit Menschen, die ebenso für die Pflege gebrannt haben. Zusammen mit meinem engsten Mitstreiter, Pflegedienstleiter Harald Thurner, haben wir ein modernes Konzept mit kleinstrukturierten, familienähnlichen Hausgemeinschaften und eigener Küche entwickelt. Und auch die Bürgermeister der Verbandsgemeinden haben in unterschiedlicher Besetzung immer mutig an einem Strang gezogen und lösungsorientiert gearbeitet.“ Dank sprach Jäger auch dem Land Tirol für die Bereitstellung der finanziellen Mittel aus: „Der Bau ist abgeschlossen. Wir haben viele beherzte Mitarbeiter:innen, die Leben in das Haus bringen.“
Nach Umsetzung der ersten Bauphase erfolgte 2010 die Übersiedlung vom Sonnberg an den heutigen Standort des Pflegezentrums in die Imster Innenstadt. Unmittelbar danach begannen die Verhandlungen mit dem Orden über eine Erweiterung. Nach langwierigen und schwierigen Gesprächen konnten schließlich sowohl der Zubau an das Bestandsgebäude als auch die Sanierung und Revitalisierung des Klösterles realisiert werden. Damit sei, so Jäger, „eine Einheit als beste Lösung“ gelungen.
„Die erste Bauphase war ein Spaziergang. Die zweite hingegen war geprägt von vielen Herausforderungen. Das Bauen unter Denkmalschutz ist anspruchsvoll. Dazu kamen Corona, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und der Tod von Langzeitobmann Rudolf Köll. Nachdem wir schließlich das notwendige Personal hatten, mussten wir den Erweiterungsbau rasch belegen – was im Nachhinein ebenfalls herausfordernd war“, erläuterte Hausleiterin Jäger.
Für Obmann Stefan Rueland stellte die Eröffnung einen wichtigen Tag für den Gemeindeverband und die gesamte Region dar. „Wir wollten das gesamte Projekt endgültig abschließen – und dazu gehört auch die frisch renovierte Kapelle. Die Verbandsgemeinden haben eine große Investition in die Betreuung und Pflege unserer älteren Mitbürger gemacht. Der Dank gilt unseren Vorgängern für ihren Mut zur Umsetzung, dem Orden für den Abschluss des Baurechtsvertrags sowie der Architektin Barbara Poberschnigg und ihrem Team. Die Voraussetzungen waren alles andere als einfach. Das Projekt ist sehr harmonisch und gelungen, was auch die Auszeichnung mit dem Staatspreis für Architektur und dem Euregio-Baukulturpreis unterstreicht.“
Bei der Umsetzung habe es laut Rueland „herbe Rückschläge“ gegeben. Nach dem Tod seines Vorgängers Rudolf Köll wurde ein kleines Steuerungsteam rund um Bürgermeister Stefan Weirather, Stefan Krismer und Christian Linser eingesetzt, um rasch Entscheidungen treffen zu können. Die Pandemie und der Krieg erschwerten die Situation zusätzlich – insbesondere aufgrund steigender Baukosten. Zudem verursachte ein Wasserschaden im Altbestand, der während des laufenden Betriebs saniert wurde, weitere Herausforderungen. „Trotzdem konnten die budgetierten Kosten eingehalten und sogar leicht unterschritten werden“, zeigte sich der Verbandsobmann erfreut.
Auch die Mitarbeiter:innen hätten während der Bauphase und bei der Inbetriebnahme Großes geleistet. „Aktuell betreuen 135 Mitarbeiter:innen insgesamt 105 Bewohner:innen. Jeder Posten ist besetzt – ein Zeichen für die gute Stimmung im Haus und für eine starke Kollegialität unter einer verlässlichen Führung“, so Rueland.
Auch Standortbürgermeister Stefan Weirather zeigte sich über das Ergebnis erfreut: „Es hat drei Landeshauptleute – vom Herwig über den Günther bis zum Toni – sowie die Bündelung aller Kräfte in den Verbandsgemeinden und bei der Finanzierung gebraucht, um nun dieses gelungene Ergebnis präsentieren zu können. Am Anfang wurde das Konzept etwas kritisch beäugelt, aber von Funktionärsseite waren sich letztlich alle einig, dass es funktioniert.“
Sein besonderer Dank galt dem Orden, dem Land Tirol und der Landesgedächtnisstiftung. „Das Werk ist großartig und mehr als gelungen. Der Erfolg ist nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen. Es hat kritische Fragen gegeben, aber niemand hat quergeschossen. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft in dieser Form weitergeht und man erkennt, welchen Wert dieses Projekt hier im Zentrum der Stadt hat.“
LH Anton Mattle betonte, dass er nunmehr seit 40 Jahren in der Politik tätig sei. Zu Beginn seiner Laufbahn habe es nur in einigen Bezirksstädten Pflegeheime gegeben, ansonsten überwiegend Versorgungshäuser. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Nicht nur die Gesellschaft werde im Schnitt älter, auch der Zugang zu Pflege und Betreuung habe sich gewandelt. „Im Pflegezentrum Gurgltal gibt es überschaubare und familiäre Strukturen, verbunden mit der Sicherheit, dass jemand da ist, wenn es einem einmal schlechter geht. Man hat auch das Gefühl der Teilhabe und fühlt sich wie in einer großen Familie.“
Voll des Lobes zeigte sich der Landeshauptmann auch für das umgesetzte Erweiterungsprojekt: „Allein die Anzahl der Verantwortungsträger auf Verbands‑ und Landesebene, die diesen Prozess begleitet haben, zeigt das große Zeitfenster der Umsetzung – Beginn im Jahr 2010 und schlussendlich die Finalisierung mit dem Bezug im Jahr 2024. Jetzt schreiben wir das Jahr 2026 und wir freuen uns im Rahmen der offiziellen Eröffnungsfeier, dass ein großartiges Werk gelungen ist. Danke an die Standortgemeinde Imst, die diese zentralörtlichen Aufgaben in so beeindruckender Weise erfüllt. Und es ist nicht selbstverständlich, dass solche Ideen von allen Verbandsgemeinden so klar mitgetragen werden.“
In diesem Zusammenhang hob Mattle auch die Leistungen von Architektin Barbara Poberschnigg und ihrem Studio Lois hervor. „Es ist beeindruckend und großartig, wie in diesem Gebäude zeitgenössische Architektur mit historischer Bausubstanz verschränkt wurde. Daher möchte ich auch erwähnen: Wenn die Kosten – gerade aufgrund des Denkmalschutzes – stark steigen, kommt die Landesgedächtnisstiftung bei der Finanzierung ins Spiel. Sie ist die Summe der Mittel, die Land und Gemeinden gemeinsam zur Verfügung stellen.“
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