Leerstand in Ortskernen ist vielerorts sichtbar, sein Potenzial jedoch oft nicht. Die tirolweite Initiative „Leerstand.beleben“ macht dieses sichtbar, indem in sieben Regionen – darunter Imst – leerstehende Geschäftsflächen temporär als Informations- und Ausstellungsräume genutzt werden. Ziel ist es, neue Perspektiven für Leerstände sowie Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. Der Pop-up-Store in der Kramergasse 2 ist am 11., 17. und 24. April geöffnet.
In jedem Tiroler Ort gibt es leerstehende Häuser, Wohnungen oder Wirtschaftsgebäude, die oft jahrelang ungenutzt bleiben, weil Eigentümer:innen eine fundierte Entscheidungsgrundlage fehlt. Dabei bietet die Neunutzung von Leerständen große Chancen: Sie reduziert Bodenversiegelung und Zersiedelung, spart Kosten, Energie und Ressourcen und erhält ortsbildprägende Gebäude mit Geschichte. Wie Leerstände zu neuem Lebensraum werden können und welche Beratungsangebote es dazu gibt, zeigen die Aktionstage „Leerstand.beleben“ im April. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „LE-Fördermaßnahme 77-04 Begleitung von Prozessen zur Stärkung von orts- und Stadtkernen, Revitalisierung Leerstand" von Bund, Land Tirol und der Europäischen Union statt.
Unter dem Motto „Leerstand in der Kramergasse behoben!“ finden die Aktionstage auch in der Kramergasse 2 in Imst statt. Im sogenannten „Wett- bzw. Lunghaus“ direkt am Lainplatzl wurde dafür ein eigener Pop-up-Store mit einer Plakatausstellung eingerichtet. Neben Beratungen und Vorträgen von Expert:innen ist an den drei Öffnungstagen am 11., 17. und 24. April auch der Leerstandsberater Werner Burtscher vor Ort. Damit wird ein niederschwelliger Zugang zu einer kostenlosen und unverbindlichen Erstberatung für Eigentümer:innen von Leerständen ermöglicht.
Offiziell eröffnet wurde der Pop-up-Store am 8. April im Rahmen eines Pressefrühstücks. Obfrau Christiana Röck und Geschäftsführer Markus Mauracher vom Regionalmanagement Imst sowie Leerstandsmanager Werner Burtscher konnten dabei zahlreiche Vertreter:innen der Stadtgemeinde Imst begrüßen – darunter den zweiten Vizebürgermeister Marco Seelos, die Stadträt:innen Pia Walser, Obfrau des Stadtentwicklungsausschusses, und Richard Aichwalder sowie Nikolaus Larcher und Christoph Anich vom städtischen Baureferat. Auch Landeshauptmann Anton Mattle wird sich als zuständiger Referent für die Dorferneuerung am 10. April bei seinem Besuch in Imst ein Bild von der Ausstellung im Pop-up-Store machen.
„Wir müssen darauf achten, dass unsere Orts- und Stadtkerne belebt bleiben. Mit jedem leerstehenden Gebäude, das wir wieder mit Leben erfüllen, gewinnen wir für den Ortsraum und schonen zugleich Ressourcen sowie Bodenverbrauch. Das Projekt der Leerstandsberatung für den Bezirk ist beim Regionalmanagement angesiedelt und wird mit Geldern der Europäischen Union und des Landes Tirol gefördert“, betont Regio Imst-Obfrau Christina Röck.
Regio Imst -Geschäftsführer Markus Mauracher verwies auf den Vorreiter Landeck, wo bereits seit 2016 ein Leerstandsberater tätig ist. Inzwischen wurde das Projekt auf weitere Regionen Tirols ausgeweitet. Seit Oktober 2024 gibt es ein kostenloses Beratungsangebot für Eigentümer:innen von Leerständen, das von den Regionalmanagements Innsbruck-Land, Imst, Kitzbüheler Alpen, Landeck, Lienz, Reutte und Schwaz sowie von der Geschäftsstelle Dorferneuerung und der Abteilung Landesentwicklung des Landes Tirol umgesetzt wird.
Mit dem Architekten Werner Burtscher aus Stams konnte ein ausgewiesener Fachmann als Leerstandsberater für den Bezirk Imst gewonnen werden. „Wichtig ist es, die Menschen abzuholen, bevor sie den Baumeister anrufen und alles abreißen. Werner Burtscher ist eine Person, die man kontaktieren kann und die zu einer kostenlosen Erstberatung vor Ort kommt. Er agiert unabhängig und ohne wirtschaftliche Interessen – ein Ansatz, der Vertrauen schafft.“
Ziel ist es auch, Stammtischmythen und Ängste abzubauen, die Eigentümer:innen häufig vor der Sanierung eines Bestandsgebäudes zurückschrecken lassen. Best-Practice-Beispiele können dabei helfen, Bedenken zu mildern, Herausforderungen als Chancen zu begreifen und sich „mit dem Alten“ einzulassen.
Ein Paradebeispiel im Bezirk Imst für die gelungene Belebung von Leerständen ist Silz: Aus 65 Beratungsgesprächen entstanden dort letztlich 35 neue, revitalisierte Wohneinheiten. Damit konnte erfolgreich einer weiteren Bodenversiegelung auf der grünen Wiese außerhalb des Ortskerns entgegengewirkt werden.
„Der Monat April wurde tirolweit zum Leerstandsmonat ausgerufen. Wir hoffen auf viele Besucher:innen, die sich Informationen und Expertise im Pop-up-Store in der Kramergasse holen“, so Mauracher. Ein besonderer Dank gilt auch der Firma Strobl für die Zurverfügungstellung der Räumlichkeiten.
Der gebürtige Vorarlberger Werner Burtscher wurde bereits während seiner HTL-Zeit stark durch Baukultur sozialisiert. Seit 2004 lebt der selbstständige Architekt in Tirol, vor mittlerweile elf Jahren ließ er sich in Stams nieder. Dort betreibt er direkt beim Stift Stams sein Büro. Auch im Bezirk Imst ist seine Arbeit bekannt – unter anderem stammt die behutsame Revitalisierung des „Schrofenhofs“ beim Steinbockzentrum in St. Leonhard im Pitztal aus seiner Feder.
„Der Leerstand ist der Bauplatz von heute“, bringt es Burtscher auf den Punkt. Leerstand ist dabei kein rein bauliches, sondern zunehmend auch ein soziales und kulturelles Thema. Die verfügbaren Grundstücke für Verbauung – sprich Lebensraum – werden gerade in Tirol immer knapper. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden zudem viele Siedlungsflächen erschlossen, die weit von den Ortszentren entfernt liegen. Parallel dazu entstanden Häuser, die von der nächsten Generation häufig nicht mehr für dieselben Zwecke genutzt werden. Nicht selten stehen Eigentümer:innen deshalb ratlos vor Fragen wie: „Was soll ich mit dem Haus tun? Sanieren oder abreißen? Ist der Grund mehr wert als das Gebäude?“
„Ich berate Eigentümer:innen kostenlos zu leerstehenden Gebäuden – unabhängig davon, ob es sich um ein Wohnhaus, einen Stall oder ein anderes Objekt handelt. Dabei geht es nicht um fertige Lösungen oder Patentrezepten, sondern um individuelle Gespräche, die Orientierung geben und sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen.“ Fördermöglichkeiten werden erläutert und Kontakte zu zuständigen Stellen vermittelt. Wichtig dabei: Burtscher übernimmt selbst keine Planung und stellt keine Förderanträge – seine Rolle ist jene eines beratenden Begleiters.
„Oft brauchen die Menschen einfach jemanden, der sich Zeit zum Zuhören nimmt. Ich agiere dabei ein wenig wie ein Streetworker“, so Burtscher. „Leerstand ist ein Prozess, der Geduld erfordert. Viele umgehen diesen Weg lieber mit einem Bagger und einem Neubau.“
Die Aktionstage „Leerstand.beleben“ finden zeitgleich in den Regionen statt und bieten mit Ausstellungen, Beratungsnachmittagen und Impulsvorträgen die Möglichkeit für interessierte Menschen, sich zu folgenden Themen zu informieren:
Was? Schaufensterausstellung zum Thema Leerstand und Revitalisierung sowie Informations- und Beratungsnachmittage mit Expert:innen.
Wann? Ausstellung von 8. bis 30. April 2026
Leerstandsmanager Bezirk Imst: Architekt Werner Burtscher
Hinweis: Jeweils um 17 Uhr findet ein Impulsvortrag statt.
Wo? Bezirk Imst: Kramergasse 2, 6460 Imst
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