Begleitend zum neuen Buch „Wahre Volksgemeinschaft. Nationalsozialismus in Imst“ der Historikerin Sabine Pitscheider zeigt das Museum im Ballhaus von 14. März bis 5. September 2026 die Ausstellung „Nationalsozialismus in Imst“. Anhand zahlreicher Fotografien, Plakate, Flugzettel und filmischer Dokumente wird die Entwicklung der Stadt von den 1930er-Jahren bis in die Nachkriegszeit anschaulich dargestellt.
Die Stadt Imst lud am 13. März 2026 zur Präsentation des Buches „Wahre Volksgemeinschaft. Nationalsozialismus in Imst“ ein. Die 830 Seiten umfassende wissenschaftliche Publikation der renommierten Historikerin Sabine Pitscheider zeichnet ein detailliertes Bild der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Imst von den 1930er‑Jahren bis in die Nachkriegszeit. Grundlage dafür bilden die Auswertung zahlreicher Quellen und intensive Recherchen in zahlreichen Archiven.
Die wissenschaftliche Studie wurde zu gleichen Teilen von der Stadt Imst und dem Land Tirol (Förderschwerpunkt Erinnerungskultur) finanziert. Auch die Drucklegung erfolgte mit Unterstützung beider Institutionen. Das Buch ist im Studienverlag erschienen und kostet 34,90 Euro (Band 34 der Reihe „Studien zur Geschichte und Politik“). Herausgeber ist Univ.-Doz. Mag. Dr. Horst Schreiber (Wissenschaftsbüro Innsbruck / ERINNERN:AT). Mit diesem Projekt hat die Stadt Imst ihre Verantwortung wahrgenommen und ein wichtiges Zeichen für Erinnerungskultur, historische Aufarbeitung und gesellschaftlichen Dialog gesetzt.
Begleitend zur wissenschaftlichen Arbeit von Mag.a Dr.in Sabine Pitscheider zeigt das städtische Museum im Ballhaus die Ausstellung "Nationalsozialismus in Imst". Der Großteil der ausgestellten Dokumente und Fotografien stammt dabei aus den Sammlungen der Stadt Imst - dem Museum im Ballhaus, Chronik Imst und dem Stadtarchiv Imst.
"Das verwendete Material in der Ausstellung, etwa der Karton der Tafeln, wirkt bewusst schlicht. Damit soll die Propaganda der Nazis nicht hervorgehoben werden. Auch diesem Grund wurden mehrere Plakate zudem nicht auf Augenhöhe angebracht - die Besucherinnen und Besucher müssen sich bücken", erläutert die Kuratorin Mag.a Sabine Schuchter, Leiterin des Museums im Ballhaus.
In den 1930er-Jahren dominierten wirtschaftliche Probleme die Imster Gemeindepolitik. Arbeits- und Hoffnungslosigkeit begünstigten den Aufstieg der NSDAP. Der von Nationalsozialisten unterwanderte Imster Gemeinderat ernannte den deutschen Reichskanzler Adolf Hitler im März 1933 zum Ehrenbürger. Gewalttätige Ausschreitungen und Terroraktionen prägten die folgenden Jahre.
Mit dem „Anschluss“, den die Mehrheit der Bevölkerung begeistert begrüßte, verlor Österreich seine staatliche Eigenständigkeit. In brutalen Racheaktionen gegen politisch Andersdenkende entluden sich Hass und Verfolgung.Das NS-Regime durchdrang zunehmend alle Lebensbereiche. Feiern und Aufmärsche dienten der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie und der Militarisierung der Gesellschaft, wofür auch der neu errichtete Schießstand diente.
Nicht alle Menschen gehörten zur nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“. Andersdenkende und als „asozial“ Stigmatisierte wurden denunziert und diskriminiert. Menschen, die als „unwertes Leben“ galten, wurden deportiert und getötet.Auch die katholische Kirche wurde aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt: Prozessionen verlegt, Kreuze zerstört und Brunnenfiguren entfernt.
Viele Bau- und Stadtentwicklungsprojekte scheiterten am Geldmangel. Realisiert wurden zwei Siedlungen der „Neuen Heimat“, eine davon erst nach Kriegsende. Während die Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, setzte das Regime Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene in der Landwirtschaft, im Tourismus und in neu angesiedelten kriegswichtigen Industriebetrieben ein, wo sie unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten mussten.
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Kinofilm „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“
Hört her! Leseperformance mit Musik von Michael Rudigier und Gabriel Bramböck
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