HISTORISCHE WEIHNAHCTSKRIPPEN - KLAISSNERKRIPPE
Sonderausstellung vom 2.12. 2023 - 3.2.2024
Das Museum im Ballhaus präsentiert wieder besondere Kostbarkeiten aus seiner prächtigen Krippensammlung.
Neben kleinen Krippenszenen, Klosterarbeiten, einer Papierkrippe oder Szenen aus Probst-Krippen ist mit der "Klaissner-Krippe" eine herausragende schnitzerische Arbeit aus der Zeit um 1850 zu sehen, die durch Pracht, Farbigkeit und bemerkenswerte Details beeindruckt.

Die Klaissnerkrippe mit ihren über 140 erhaltenen Figuren stammt aus der Hand des Zirler Krippenschnitzers Johann Klaissner (1814 – 1885), besser bekannt als „Plätz“. Es handelt sich um eine außerordentlich prachtvolle aus Holz geschnitzte Krippe, die durch ihre Farbenpracht und ihren großen Detailreichtum besticht und eine wahre Luxusausführung darstellt. Besonders wertvoll macht sie die aufwendige Fassung, also die farbige Bemalung und Vergoldung der Figuren.
Die Krippe besteht aus verschiedenen Szenen aus dem Weihnachtsevangelium, die üblicherweise den Feiertagen entsprechend auf- und umgestellt wurden; das Museum zeigt aber alle Figuren gleichzeitig.
Im Mittelpunkt steht natürlich die Heilige Familie, bekrönt von einer wunderschönen Gloria mit 3 Engeln und umgeben von anbetenden Engeln, Hirten und Königen. Die Könige, edle Männer aus fernen Ländern, haben sich bereits vor der Krippe eingefunden, gleichzeitig ist aber auch ihr berittener Einzug mit dem Gefolge aus der Stadt kommend dargestellt. Den besonders prächtigen Elefanten eines Königs gibt es nur einmal, im Gegensatz zu den anderen beiden Reittieren der Könige. Sein Baldachin konnte abgenommen werden und somit für die Anbetungsszene adaptiert werden.
Unter das Hirtenvolk haben sich einheimische und orientalische Hirten gemischt, erkennbar an den unterschiedlichen Kopfbedeckungen. Begleitet werden sie von Patern, Pilgern (mit der Jakobsmuschel), Jägern, weiterer heimischer Bevölkerung (z.B. Szene am Brunnen) sowie natürlich vielen heimischen Tieren, Schafen und Ziegen, die in besonders natürlichen, anmutigen Körperhaltungen wiedergegeben sind.
Dagegen hat Klaissner die fremden Tiere aus dem Königszug, einen Vogel Strauß, Elefanten und Kamele, nie in Natura gesehen, sondern wohl nach Stichen gearbeitet. So tragen die Kamele Pferdehufe, wie richtigerweise auch die Maultiere, die Elefanten fantastisch verformte Rüssel und eigenartige Köpfe. Leider hat der „Plätz“ den 1895 in Zirl Station machenden Zirkus nicht mehr besuchen können. Viele Krippenkünstler aus der Region strömten dahin, um die fremden Tiere zu sehen und ihre Anatomie studieren zu können.

Weitere Szenen bilden die Verkündigung an die Hirten, die Beschneidung Jesu und eine Darstellung der Dreifaltigkeit bzw. des „Heiligen Stuhls“: Neben dem personifizierten Heiligen Geist und Gottvater befindet sich ein leerer Thronsessel. Den hat Jesus verlassen, um als Kind auf die Erde zu kommen. Putten deuten das kommende Leid Jesu und seinen Kreuzestod an, indem sie die Leidenswerkzeuge und das Kreuz präsentieren.
Die Figuren befinden sich in einem hervorragenden Erhaltungszustand und sind äußerst aufwendig gestaltet. Bei einer Reinigung und Restaurierung wurden einige spätere Übermalungen entfernt und darunter liegende – prachtvollere – Fassungen frei gelegt.
Viele Reittiere aus dem Königszug tragen eingesetzte Glasaugen und eine Polimentvergoldung, oft sogar mit Musterung. Dabei wurde auf einer farbigen Grundierung mithilfe eines speziellen Pinsels hauchdünnes Blattgold aufgebracht und poliert, was ein besonders schönes Durchscheinen verursachte. Wurde die Grundierung zuvor mit Punzierungen versehen, so ergab dies eine an textile Brokatstoffe erinnernde Struktur.
Auch die Lüsterfassung sollte wertvolle Materialien vortäuschen. Über eine Silberauflage wurden lichtdurchlässige farbige Lasuren aufgetragen und poliert, wodurch metallisches Schimmern der Oberflächen erreicht wurde. Gerade die Fassung macht die Krippe so prachtvoll und war einst sehr teuer und nur von einem vermögenden Auftraggeber zu finanzieren.
Über den Schnitzer Johann Klaissner „Plätz“, von dem wahrscheinlich alle Figuren stammen, wissen wir recht wenig. Aufgrund einer verkrüppelten Hand soll er für ein „normales“ Handwerk nicht geeignet gewesen sein, weshalb er sich als Schnitzer von Krippenfiguren verdingte. Er selbst soll verarmt gestorben sein, in einem Brief bedankt er sich bei seinem Bruder für Erdäpfel, während seine Figuren heute zu besten Preisen verhandelt werden.
Wer diese gefasst hat, ist nicht bekannt.Den 6m² großen Krippenhintergrund signierte 1845 der Thaurer Maler Johann Kramer.
Museum im Ballhaus, Ballgasse 1
Geöffnet Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag 14 - 18 Uhr (nicht an Feiertagen)
museum@imst.gv.at; 05412 64927