Mehr Jugendschutz in Imst: Freiwillige Sichtschutzlösung für sensible Produkte

Veröffentlichungsdatum04.08.2026Lesedauer4 MinutenKategorienGesellschaft, Information, ...
Eine Person, die vor einem Gebäude steht

Bildungsstadtrat Richard Aichwalder begrüßt die gefundene Lösung als wichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Mit einer freiwilligen Sichtschutzlösung setzt Imst ein deutliches Zeichen für mehr Jugendschutz. Nach einem konstruktiven Dialog zwischen Bildungsstadtrat Richard Aichwalder und Automatenshop-Betreiber Philipp Müller werden Produkte wie Lachgas und Sexspielzeuge künftig erst nach erfolgreicher Altersprüfung sichtbar sein. Die Stadtgemeinde sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.


Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat für die Stadtgemeinde Imst höchste Priorität. Nach einem persönlichen Gespräch zwischen Bildungsstadtrat Richard Aichwalder und Philipp Müller, Betreiber des Automatenshops „Smile24“, konnte nun eine freiwillige Lösung vereinbart werden: Produkte wie Lachgas und Sexspielzeuge werden künftig durch eine blickdichte Folierung dem direkten Blick von Minderjährigen entzogen. Die Einigung ist ein wichtiger Schritt für noch mehr Jugendschutz in Imst.

Anliegen aus Schulen und Elternschaft ernst genommen

Ausgangspunkt für das Gespräch waren zahlreiche Rückmeldungen besorgter Eltern sowie von Lehrpersonen und Schulleitungen. Sie äußerten ihre berechtigte Sorge über die sichtbare Präsentation von Lachgas und Sexspielzeugen im Automatenshop in der Ing.-Baller-Straße, der sich im unmittelbaren Umfeld mehrerer Bildungseinrichtungen befindet. Dazu zählen das Bildungszentrum LLA, die Handelsakademie Imst, die Polytechnische Schule sowie die Volks- und Mittelschulen Unterstadt.

Mir war wichtig, im Gegensatz zu den aktuellen politischen Diskussionen in anderen Tiroler Städten, zunächst den direkten Dialog zu suchen. Ich bin überzeugt, dass sich viele Anliegen besser im persönlichen Gespräch lösen lassen“, betont Bildungsstadtrat Richard Aichwalder. „Als Stadtgemeinde hätten wir zwar die Möglichkeit, den Verkauf bestimmter Produkte im unmittelbaren Umfeld von Schulen einzuschränken. Das würde das Grundproblem jedoch nicht lösen, sondern lediglich zu einer Verlagerung des Standorts führen. Mir war daher eine praktikable und nachhaltige Lösung im Interesse des Jugendschutzes wichtig.“

Das Gespräch verlief in einer respektvollen und konstruktiven Atmosphäre. Beide Seiten konnten ihre Standpunkte offen darlegen. Während Aichwalder die Anliegen aus der Bevölkerung, der Schulen sowie den Jugendschutz in den Mittelpunkt stellte, verwies Müller darauf, dass der Verkauf dieser Produkte nach geltender Gesetzeslage zulässig sei und sämtliche gesetzlichen Vorgaben, einschließlich der Alterskontrollen, eingehalten würden.

Gesetzliche Vorgaben werden eingehalten

In unseren Automatenshops wurden sämtliche gesetzlichen Vorgaben bereits bisher eingehalten und teilweise sogar übertroffen. So erfolgt die biometrische Altersprüfung schon seit jeher auf freiwilliger Basis. Der Jugendschutz war daher auch in der Vergangenheit jederzeit gewährleistet“, unterstreicht Smile24-Betreiber Müller.

Bildungsstadtrat Aichwalder betonte, dass die derzeitige Rechtslage auf Bundesebene den Verkauf dieser Produkte zulässt und eine Gemeinde daran nichts ändern kann. „Ich erwarte mir künftig strengere gesetzliche Regelungen. Solange der Verkauf jedoch legal ist, sehe ich es als meine Aufgabe, im Rahmen meiner Möglichkeiten den größtmöglichen Jugendschutz für Imst zu erreichen.“

Bei einem Lokalaugenschein machte sich Aichwalder zudem persönlich ein Bild von der Funktionsweise des Alterskontrollsystems. Produkte mit Altersbeschränkung können ausschließlich nach erfolgreicher biometrischer Altersprüfung oder, sofern erforderlich, nach zusätzlicher Ausweiskontrolle erworben werden. Nach aktuellem Stand ist damit gewährleistet, dass diese Produkte nicht an Minderjährige verkauft werden.

Ich habe nie behauptet, dass hier gegen Gesetze verstoßen wird. Mein Anliegen war ein anderes: Jugendschutz beginnt nicht erst dort, wo Gesetze Grenzen setzen. Jugendschutz beginnt dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Ein Gebäude mit einem Schild an der VorderseiteAutomatenshop in der Ing.-Baller-Straße: Künftig sind Produkte wie Lachgas und Sexspielzeuge erst nach erfolgreicher Altersprüfung sichtbar.

Sichtbarkeit der Produkte als zentrale Herausforderung

Als problematisch sieht der Bildungsstadtrat vor allem die offene Sichtbarkeit von Lachgas und Sexspielzeugen. Bislang konnten Jugendliche unter 18 Jahren diese Produkte bereits von außen wahrnehmen. Gerade diese Präsenz könne Interesse wecken und dazu führen, dass sich junge Menschen überhaupt erst mit solchen Produkten beschäftigen.

Kinder und Jugendliche dürfen nicht mit Produkten in Berührung kommen, die ein besonderes Gefährdungspotenzial haben. Deshalb zählt für mich nicht nur, wer solche Produkte kaufen darf, sondern auch, wie präsent sie im öffentlichen Raum sind“, stellt Aichwalder klar.

Freiwillige Lösung für mehr Jugendschutz

Als Ergebnis des konstruktiven Austauschs schlug Richard Aichwalder vor, die betreffenden Bereiche des Shops mit einer Sichtschutzlösung auszustatten. Philipp Müller folgte diesem Vorschlag und erklärte sich bereit, diese in den kommenden Wochen mit einer blickdichten Folierung zu versehen. Dadurch sind Lachgas und Sexspielzeuge künftig erst nach erfolgreicher Altersverifikation sichtbar. Volljährige Kundinnen und Kunden erhalten somit erst nach erfolgter Altersprüfung Einblick in das entsprechende Sortiment. „Das Gespräch verlief konstruktiv. Mit dem vorgeschlagenen Lösungsansatz sowie dessen Umsetzung kann ich gut leben“, erklärt Müller.

Auch Bildungsstadtrat Aichwalder zeigt sich zufrieden: „Diese Lösung verhindert zwar nicht den legalen Verkauf an Erwachsene, sie reduziert aber den unmittelbaren Kontakt Minderjähriger mit diesen Produkten erheblich. Das ist ein wichtiger Schritt für den Jugendschutz und ein gutes Beispiel dafür, wie durch gegenseitiges Verständnis praktikable Lösungen entstehen können.“

Besonders erfreulich sei, dass Philipp Müller die Maßnahme nicht nur für den Standort Imst positiv aufgenommen habe. Sollte sich das Konzept bewähren, könne er sich vorstellen, die Sichtschutzlösung auch auf weitere Automatenshop-Standorte in Tirol auszuweiten.

Mein Ziel war eine Lösung. Als Bildungsstadtrat kann ich die österreichische Gesetzeslage nicht ändern, das ist Aufgabe des Bundesgesetzgebers. Ich kann aber alles daransetzen, die Möglichkeiten, die wir auf Gemeindeebene haben, konsequent zu nutzen. Genau das haben wir getan. Ich freue mich, dass wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben, die den Jugendschutz verbessert. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die derzeitige Rechtslage überprüft und verschärft werden muss. Der Jugendschutz muss immer an erster Stelle stehen", so Aichwalder.

Eine Person, die mit verschränkten Armen stehtStadtrat Richard Aichwalder: "Der Jugendschutz muss immer an erster Stelle stehen."

DatenquelleStadtgemeinde Imst